antonia

wort der woche - verlieben

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Wir sagen:

Als ich zum ersten Mal so richtig verliebt war, habe ich angefangen, Gedichte zu schreiben. Ich weiß, das klingt sehr nach Klischee, vor allem, wenn ich jetzt noch sage, dass ich das Gedichteschreiben mit dem Verschwinden meiner Verliebtheit auch augenblicklich wieder aufgehört habe. Das habe ich seitdem nie bereut, weil ich persönlich meine Gedichte allesamt relativ schlecht und ziemlich peinlich finde – alle außer einem. Das Gedicht heißt treffenderweise Wenn ich mich verliebe und geht so:

Wenn ich mich verliebe

Habe ich mich dann

Verliebt?

 

Wenn ich mich verliere

Was heißt:

Du lierst?

 

Wenn ich mich verlaufe

ist das wie verrannt

nur tuts nicht so weh wie:

ich hab mich verbrannt.

 

Wenn: ich hab mich verschrieben

Sollte mal richtig sein

Und: ich hab mich verlaufen

Ist der falsche Weg

Wie ist das mit dem Verlieben?

(wohl ein bisschen verdreht.)

 Warum ist mir von den ganzen Gedichten ausgerechnet dieses nicht peinlich?

Und warum komme ich ausgerechnet dann auf die Idee, es doch mal zu suchen, wenn ich eigentlich gerade ein Wort der Woche schreiben will?

Weil ich mich verliebt habe, in das Wort „verlieben“. Weil es so verdreht und unlogisch ist, dass ich mich damit eigentlich vertan haben muss. Ich meine, dass die deutsche Sprache für so eine schöne Sache nur ein Wort hat, das uns quasi einen Fehler unterstellt, ist ja schon ziemlich traurig. Ich sollte mir das eher verbitten.

Aber irgendwie muss ich das Wort eben trotzdem lieben, gerade weil es so unperfekt ist, so verdreht und unlogisch. Denn zum Verliebtsein passt das ja doch ganz gut.

Die anderen Sprachen sagen:

Irgendwie logischere Dinge, wenn sie Schmetterlinge im Bauch haben.

Englisch: to fall in love

Französisch: tomber amoureux

Italienisch: innamorarsi

Das Lexikon sagt:

verl│lie│ben, sich: von Liebe zu jmdm. ergriffen werden

Quelle: Duden – Deutsches Universalwörterbuch

wort der woche - entscheidung

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wort der woche - entscheidung | quelle: www.kktlive.deWir sagen:

Was wäre, wenn?

Beinahe sekündlich müssen wir uns entscheiden. Selbst wenn es nur so etwas Banales ist, wie welchen Brotbelag man wählt oder ob man den Pulli nun anzieht oder nicht - alles bringt seine Konsequenzen mit sich. 

Wählen wir nun Käse, ist er leer, woraufhin wir einkaufen gehen müssen, und im Supermarkt vielleicht einen alten Bekannten treffen. Lässt man den Pulli doch lieber zuhause liegen, könnte man sich erkälten und dadurch eine Geburtstagsfeier verpassen.

Wenn man sich nicht entscheidet, bleiben einem alle Möglichkeiten offen - das thematisiert der Film Mr. Nobody, der aktuell im Kino zu sehen ist. Der Protagonist existiert nicht, hat keine Identität, sondern besteht aus verschiedenen “Ichs” - vielen Ichs, die durch unterschiedliche Entscheidungen unterschiedliche Lebenswege eingeschlagen haben.

Auch wenn man manches bereut und sich oft den Kopf über jegliches Handeln zerbricht, so sollte man doch kein Nobody, sondern ein Mr. oder eine Mrs. Somebody sein und mit dem glücklich sein, wie es gekommen ist.

Andere Sprachen sagen:

Englisch: decision

Niederländisch: beslissing

Chinesisch: 决定 juédìng

Das Lexikon sagt:

Eine Entscheidung beschreibt den Wahlakt aus einer Menge von mindestens zwei Handlungsalternativen, wobei die Option, nicht zu wählen (Unterlassungsalternative), ebenfalls eine Handlungsalternative darstellt. Keine Entscheidung liegt vor, wenn die Konsequenzen der Handlungsalternativen gleich sind und/oder die Handlungsalternativen nicht realisierbar sind.

wassily

wort der woche - rolltreppe

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Wir sagen:

Ich wollte letzte Woche aus der Lissaboner U-Bahn-Station „Martim Moniz“ wieder an die Oberfläche gehen. Klar, kein Problem, Rolltreppe ist doch was für alte Leute! Also habe ich die Treppe genommen, bin immer weiter und weiter gegangen und habe irgendwann festgestellt, dass es wohl einen Grund hatte, dass alle anderen Fahrgäste seelenruhig auf der Rolltreppe an mir vorbei rollten und ich der Treppe ihre Jungfräulichkeit raubte: Denn es nahm gar kein Ende mehr. Oben angekommen war ich im Gegensatz zu den anderen vollkommen aus der Puste.

Hätte es Jesse W. Reno nicht gegeben, wäre ich nicht der Einzige. Denn dann gäbe es womöglich gar keine Rolltreppe. Der gute Mann erhielt 1895 das Patent auf seine Idee, eine Art schräges Förderband zu errichten und damit Menschen zu transportieren. Wirklich erfolgreich war er damit aber nicht, auch sein Kollege George A. Wheeler, der fünf Monate später eine andere Konstruktion patentieren ließ, schaffte es nicht, der Rolltreppe zum Durchbruch zu verhelfen.

wort der woche - rolltreppe | foto: ArgonR - U-Bahn Rolltreppe, CC-Lizenz (BY 2.0) http://creativecommons.org/licenses/by/2.0/de/deed.de, quelle: www.piqs.de 1900, anlässlich der Pariser Weltausstellung, zeigten sich erstmals Besucher an den neuartigen Beförderungsmitteln interessiert. Und in den USA – wo auch sonst – wurden die Fahrtreppen dann rasch etabliert. Wie auch heute noch waren sie meist in U-Bahnhöfen und Kaufhäusern zu finden.

1925 gab es die erste Rolltreppe in Deutschland, sie stand im Kaufhaus Tietz in Köln an der Hohe Straße, dem heutigen Kaufhof.

In der Madrider Metro wurden 1921 die ersten Rolltreppen installiert, die Benutzung war in den Anfängen gar kostenpflichtig.

Ich finde, Rolltreppe ist ein seltsamer Begriff. Und irgendwie finde ich Fahrtreppen sehr lustige Gegenstände – manchmal sind sie aber ziemlich hilfreich und praktisch – wie in meinem Fall an der Metro-Station „Martim Moniz“. Sollte ich irgendwann nochmal dort sein, werde ich in jedem Fall die Rolltreppe nehmen – und mich still bei Jesse W. Reno bedanken.

Die anderen Sprachen sagen:

Englisch: escalator

Russisch: эскалатор

Portugiesisch: escada rolante

Das Lexikon sagt:

Roll|trep|pe, die - Treppe mit beweglichen Stufen, die sich an einem Förderband aufwärts od. abwärts bewegen

(DUDEN Deutsches Universalwörterbuch, 4. neu bearbeitete und erweiterte Auflage, Duden Verlag Mannheim 2001)

kerstin

wort der woche - lieblingsmusik

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Wir sagen:

Jetzt in den Ferien fahre ich so gut wie täglich zwei Mal mit dem Zug, je knapp eine Stunde - genügend Zeit, um zu lesen. Denn in meinem Schrank haben sich gefühlte 100 Bücher angesammelt, die alle jetzt in den Sommerferien darauf warten, gelesen zu werden.

Leider - oder zum Glück - hatte ich auch genügend Zeit, um meinen iPod etwas zu frisieren und mir eine Liste nur mit meinen Lieblingsliedern erstellt. Lieder, bei denen ich noch nie, in keiner Lebenslage, auf Skip gedrückt habe. Und das sind 148 Titel.

wort der woche - lieblingsmusik | foto: Nessquick -Technics SL-1210 MK2, CC-Lizenz (BY 2.0) http://creativecommons.org/licenses/by/2.0/de/deed.de, quelle: www.piqs.deIch sitze jetzt also täglich im Zug, lese und höre Musik. Da gibt es nur ein Problem. Unter diesen 148 Liedern sind auch einige, bei denen ich mich einfach nicht auf die Zeilen vor mir konzentrieren kann. Da kann die Szene noch so spannend sein, da kann der Heldin gerade der Tod drohen, da kann die Welt untergehen - bei manchen Liedern muss ich die Augen schließen oder aus dem Fenster schauen und genießen.

Das sind dann die Lieder unter den 148 Titeln, die ich meine Lieblingsmusik nennen würde. Lieder, bei denen ich mich beim besten Willen nicht auf etwas anderes konzentrieren kann, die so intensiv sind, dass ich mich fast schon gezwungen fühle, so eine plattgetretene Phrase wie “das geht mir unter die Haut” zu verwenden. Denn es ist so: Bei diesen Liedern kriege ich das Gefühl, die Töne in meiner Brust aufzusaugen und dort festzuhalten.

Die anderen Sprachen sagen:

Englisch: favourite music

Französisch: musique favori

Spanisch: musica favorita

Wikipedia sagt:

Auch wenn Wikipedia das Lieblings- nennen wir es mal Lexikon heutzutage ist, weil es am schnellsten und einfachsten geht, kennt es ein so schönes Wort wie Lieblingsmusik nicht. Vielleicht, weil Wikipedia keine Lieblingsmusik hat. Schade.

Und was sagst du?

Mehr Wort der Woche? Gibt’s im Archiv.

wort der woche - sommersturm

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wort der woche - sommersturm | foto ausschnitt: canonarne - Wolken beim Sturm, CC-Lizenz (BY 2.0), quelle: www.piqs.deWir sagen:

Es gibt Dinge, die passen einfach nicht zum Sommer.

Gerade noch gemütlich ein Eis gegessen und natürlich lieber das Rad genommen als die Bahn fahre ich gemächlich den Ehrenfeldgürtel entlang. Um die Ecke gebogen, fast schon am Ziel, weht mir eine heftige Windböe ins Gesicht, Staub fliegt mir in die Augen, die auf dem Boden liegenden Blätter werden hoch in die Luft gewirbelt. Vor den Cafés versuchen Kellner hektisch die Gartenstühle wegzuklappen, als die ersten Tropfen fallen. Ich erschrecke mich, als vor mir ein schweres Straßenschild zur Seite kippt und beschließe doch lieber mein Fahrrad zu schieben.

Amüsiert gucke ich zu, wie die zuvor noch so gut gelaunten Menschen sich panisch Einkaufstüten über den Kopf halten und in Hauseingängen Unterschlupf suchen. Das ist eine gute Idee und so schließe ich schnell mein Fahrrad an einer umkippsicheren Stelle ab undlaufe über die Vogelsanger Straße direkt auf die Musikschule zu, wo ich mit meiner Freundin verabredet bin.

Wir beschließen, den Sommersturm lieber drinnen zu verfolgen und sitzen im dunklen Treppenhaus, schauen durch die Glastür in den immer heftiger werdenden Sturm und fühlen uns sicher. Die große Straße ist menschenleer, vereinzelt krachen Äste von den Bäumen, beeindruckend dunkle Wolken, fast lila, sind am Himmel zu sehen.

wort der woche - sommersturm | foto: canonarne - Wolken beim Sturm, CC-Lizenz (BY 2.0), quelle: www.piqs.de

Zwei Stunden später sitzen wir immer noch auf der Treppe. Haben durchgeredet, gelacht, hatten eine kurze Pause von der Hitze und vom dauernden Feriengewusel.

Manche Dinge passen eben doch zum Sommer.

Die anderen Sprachen sagen:

Französisch: tempête d´été

Englisch: summer storm

Italienisch: tempesta d´eftate

Wikipedia.de sagt:

Der Sommer ist die wärmste der vier Jahreszeiten in der gemäßigten und arktischen Klimazone. Je nachdem, ob er auf der Nord- oder Südhalbkugel herrscht, unterscheidet man zwischen Nord- und Südsommer. Der Nordsommer findet gleichzeitig mit dem Südwinter statt. Aufgrund des wandernden Zenitstandes der Sonne zwischen südlichem und nördlichem Wendekreis wiederholt sich der Sommer in jeder Hemisphäre in einem jährlichen Turnus.

(…)

Ansonsten gilt der Sommer auch als die Jahreszeit der gesteigerten Lebensfreude. Dieses wird besonders auf, durch die höheren Temperaturen veranlasste, Aufenthalte im Freien zurückgeführt, wodurch die Natur vermehrt wahrgenommen wird.

Ein Sturm bezeichnet ein Starkwindereignis. (…)

Das zusammengesetzte Wort Sommersturm ist Wikipedia leider nicht bekannt.

Und was sagst du?

Mehr Wort der Woche? Gibt’s im Archiv.

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