Wir sagen:
Als ich zum ersten Mal so richtig verliebt war, habe ich angefangen, Gedichte zu schreiben. Ich weiß, das klingt sehr nach Klischee, vor allem, wenn ich jetzt noch sage, dass ich das Gedichteschreiben mit dem Verschwinden meiner Verliebtheit auch augenblicklich wieder aufgehört habe. Das habe ich seitdem nie bereut, weil ich persönlich meine Gedichte allesamt relativ schlecht und ziemlich peinlich finde – alle außer einem. Das Gedicht heißt treffenderweise Wenn ich mich verliebe und geht so:
Wenn ich mich verliebe
Habe ich mich dann
Verliebt?
Wenn ich mich verliere
Was heißt:
Du lierst?
Wenn ich mich verlaufe
ist das wie verrannt
nur tuts nicht so weh wie:
ich hab mich verbrannt.
Wenn: ich hab mich verschrieben
Sollte mal richtig sein
Und: ich hab mich verlaufen
Ist der falsche Weg
Wie ist das mit dem Verlieben?
(wohl ein bisschen verdreht.)
Warum ist mir von den ganzen Gedichten ausgerechnet dieses nicht peinlich?
Und warum komme ich ausgerechnet dann auf die Idee, es doch mal zu suchen, wenn ich eigentlich gerade ein Wort der Woche schreiben will?
Weil ich mich verliebt habe, in das Wort „verlieben“. Weil es so verdreht und unlogisch ist, dass ich mich damit eigentlich vertan haben muss. Ich meine, dass die deutsche Sprache für so eine schöne Sache nur ein Wort hat, das uns quasi einen Fehler unterstellt, ist ja schon ziemlich traurig. Ich sollte mir das eher verbitten.
Aber irgendwie muss ich das Wort eben trotzdem lieben, gerade weil es so unperfekt ist, so verdreht und unlogisch. Denn zum Verliebtsein passt das ja doch ganz gut.
Die anderen Sprachen sagen:
Irgendwie logischere Dinge, wenn sie Schmetterlinge im Bauch haben.
Englisch: to fall in love
Französisch: tomber amoureux
Italienisch: innamorarsi
Das Lexikon sagt:
verl│lie│ben, sich: von Liebe zu jmdm. ergriffen werden
Quelle: Duden – Deutsches Universalwörterbuch

Wir sagen:
1900, anlässlich der Pariser Weltausstellung, zeigten sich erstmals Besucher an den neuartigen Beförderungsmitteln interessiert. Und in den USA – wo auch sonst – wurden die Fahrtreppen dann rasch etabliert. Wie auch heute noch waren sie meist in U-Bahnhöfen und Kaufhäusern zu finden.
Ich sitze jetzt also täglich im Zug, lese und höre Musik. Da gibt es nur ein Problem. Unter diesen 148 Liedern sind auch einige, bei denen ich mich einfach nicht auf die Zeilen vor mir konzentrieren kann. Da kann die Szene noch so spannend sein, da kann der Heldin gerade der Tod drohen, da kann die Welt untergehen - bei manchen Liedern muss ich die Augen schließen oder aus dem Fenster schauen und genießen.