Apr 29
geschrieben von katharina
Wir sagen:
Wundertüte. Das ist eine liebevolle Bezeichnung für eine Papiertüte voller Plunder. Plastikfiguren, abwaschbare Kinder-Tattoos, Minifarbkästen. Tüten voller Nichtsnutz - aber das zählt nicht. Oma spendiert eine Wundertüte, drüben am Kiosk, man weiß nicht, was drin ist, und weiß es doch. Wie wenig diese Tüte hält, was sie verspricht: kleine Wunder. Das Wort Wundertüte träumt von einer geheimnisvollen Welt, von Menschen, die saumselig seiltanzen, Träume spinnen. Dabei hebt sich die Wundertüte selbst auf, ist sie doch eine Begrenzung von dem, was sich nicht halten lässt. Eine Tüte Wunder, eine Hand voll Sterne, ein (be)greifbarer Teil von Überdierealitäthinaus. So ‘ne Wundertüte! Menschen sind auch Wundertüten. Knalltüten! Da wirst du dich noch wundern! Der…! Ich sags dir…
Die Wundertüte kann alles - wenn wir sie selbst packen. Die gibts nicht bloß am Kiosk, Wundertüten sind überall. Blinzel mal, hör genau hin. Findest du nichts? Dann kauf eben eine am Kiosk, frag mal Oma, die hat immer Wunder in der Tasche.
Die anderen Sprachen sagen:
Englisch: showbag
Spanisch: sobre sorpresa
Französisch: pochette-surprise
Das Lexikon sagt:
Wụn|der|tü|te, die: Tüte, die [neben Süßigkeiten] Überraschungen in Form von kleinen Spielsachen o. Ä. enthält
Was sagst du?
Apr 28
geschrieben von saskia
Ich heiße Luigi Mantoli. Was ist in meiner Tasche habe? Einen Schlüsselbund. Da ist ein Schlüssel für meine Wohnung dran und einer für mein Fahrrad. Naja, der für das Fahrrad ist abgenutzter. Ist ja klar. Ich verbringe soviel Zeit wie möglich draußen, Hauptsache weg von Maria, meiner Frau. Als wir noch jung waren, da war sie wirklich sehr schön und sie war anders. Da haben wir uns noch verstanden. Ich habe sie sehr geliebt. Darum hab ich sie geheiratet, damals in Italien, vor fast 30 Jahren.
Damals habe ich mir auch das Fahrrad gekauft, weil sie wollte, dass ich mehr Sport mache, wegen dem Blutdruck und so. Ich habe dann mit dem Fahrradfahren angefangen. Ihr zuliebe. Ich habe sie wirklich sehr geliebt.
Jetzt ist das Fahrrad schon sehr alt, aber es funktioniert noch, anders als unsere Ehe. Manchmal glaub ich fast, dass ich mein Fahrrad jetzt mehr liebe als Maria. Es erinnert mich an früher.
Nun ja, die Liebe ist alt, so alt wie das Fahrrad. Einer meiner Freunde meinte mal, ,,alte Liebe rostet nicht”. Mein Fahrrad rostet und ich liebe es trotzdem, aber Maria…
Ich muss jetzt weiter.
Ein Text aus dem Workshop “unbeschreiblich” mit Sascha Pranschke.
Apr 25
geschrieben von nelly
MEIN NAME IST HANS-GÜNTHER SCHNEIDER, wie Sie sehen habe ich keine Tasche. Taschen sind etwas für Frauen, finden Sie nicht?
Ach, meine Manteltasche…
Nun, ich habe Pfefferminzbonbons. Die helfen gegen den Schleim, der sich wegen meiner chronischen Bronchitis immer im Rachen bildet. - Aber mich pflegt ja auch niemand. Ich habe immer so viel für andere getan, und wenn man dann selber mal was hat, kennt dich niemand mehr. Aber das ist Ihnen bestimmt auch nicht fremd.
Außerdem ist hier noch ein Parkschein. Gestern war ich in der Stadt. Ich bin alle sechzig Tage in der Stadt, öfter halt ich’s da nicht aus. Schauen Sie mal hier: 60 cent wollen die für zwanzig Minuten parken im Domparkhaus haben. Die beuten einen doch wirklich aus! Das sind 1 Mark 20; das muss man sich mal vorstellen. So etwas hätte es früher nicht gegeben!
Das lasse ich mir nicht bieten!
Deswegen bin ich nach neunzehn Minuten dann auch wieder gefahren.
Dieser Text ist im Rahmen der Schreibwerkstatt “Unbeschreiblich” mit Sascha Pranschke entstanden.
Apr 22
geschrieben von janni
Es ist Montagmorgen. Ich steige aus dem Bett, torkele zum Wecker und schalte das Nerv tötende Gerät ab. Im Badezimmer schmiere ich mir Handcreme auf die Zahnbürste und zucke zusammen, als ich das eklige Zeug im Mund habe. Dafür bin ich jetzt endgültig wach, gehe zurück in mein Zimmer und reiße meinen Schrank auf. Uff! Ich stehe nur ratlos davor und betrachte meine Anziehsachen. Rote, gelbe, karierte, blaue…
„Hallo, kommst du bald mal frühstücken? Weißt du überhaupt, wie spät es ist?“, ruft meine Mutter. „Ja Moment, ich weiß nicht was ich anziehen soll, Mama!”, rufe ich. Schließlich entscheide ich mich für ein rotgestreiftes Hemd und einfachen Jeans. Als ich runterkomme fragt mich meine Mutter scherzhaft, „Wie wäre es eigentlich mit Schuluniformen, dann hast Du den Kleiderstress nicht!“ weiterlesen »
Apr 22
geschrieben von helena
Lesen Schüler heute in der Schule Bücher von Goethe oder Schiller, kommt ihnen deren Sprache oft fremd vor. Sie ist für einen Großteil der deutschsprachigen Gesellschaft zu abstrakt, unverständlich und längst überholt.
Seit Goethes Zeit hat sich die deutsche Sprache weiterentwickelt und vereinfacht. Dabei gibt es Sprachentwicklung schon immer, erst seit der Erfindung des Buchdrucks zu Luthers Zeit geht diese Entwicklung langsamer voran. Der Buchdruck gab dem deutschsprachigen Raum eine Hochsprache mit einer nahezu einheitlichen Grammatik und Rechtschreibung. Zuvor gab es eine starke Unterteilung in die verschiedenen Dialekte. Obwohl die meisten Dialekte weiterhin bestanden und einige noch heute bestehen, kann man seit dem Neuhochdeutsch von einer Sprache sprechen, die sich zwar noch weiterentwickelte, aber dennoch dem heutigen Hochdeutsch ähnelt.
Im 21. Jahrhundert lässt sich in der deutschen Sprache eine neue Entwicklung feststellen. Es entwickelt sich ein neues Deutsch. Im Zuge der Globalisierung haben wir ein ausgebautes, internationales Kommunikationsnetz, das mittlerweile vorwiegend über das Internet funktioniert. Wir kommunizieren über E-Mails, Chatrooms und hinterlassen unseren 326 „Freunden“ Messages auf Pinwänden. In Zeiten von „mySpace“ und „Schüler-Vz“ pflegen wir keine Freundschaften mehr, sondern unsere Netzwerke. weiterlesen »