Wir sagen:
Und dann bist du wieder zu Hause und alles ist anders. Über die Straßen laufen die Menschen, die du vor einiger Zeit auch schon hier gesehen hast, sie sprechen deine Sprache. Die Wohnung sieht aus, wie du sie verlassen hast. Abgestandene Luft, Staub auf den Fensterbrettern, ein leerer Kühlschrank und ein Zettel, der an der Haustür klebt: Bitte mal den Briefkasten leeren – Ihr Postbote.
Schnell hat das Leben dich wieder eingeholt, Freunde und Verwandte rufen an, wollen dich sehen und wissen, wie es gewesen ist. Das Postfach auf dem Computer und der Stapel Papierkram auf dem Tisch erinnern dich an deine Arbeit, denn schließlich musst du das ganze Geld wieder rein kriegen, das du ausgegeben hast.
Dummerweise kannst du dich auch gar nicht dagegen wehren, ziemlich schnell tust du das, was du früher auch getan hast, beschäftigst dich mit Dingen, die schon vor einigen Wochen Thema waren.
Und dann schaust du dir die Urlaubsfotos an, die du schon vor Tagen auf den Rechner gespielt hast, von denen du aber erstmal Abstand genommen hast. Da sind sie: Gesichter, Situationen, Wege, die du gegangen bist, Landschaften, die dich umgeben haben. Und jedes dieser Bilder weckt eine Erinnerung, die dir unwillkürlich durch den Kopf geht. Du weißt, die Zeit war zu kurz, du willst zurück, all die Sorgen und Probleme in deiner Wohnung einschließen und dahin reisen, wo du hergekommen bist.
Zu allem Überfluss fängt es dann auch noch an zu regnen, ein kühler Wind bläst durch das offene Fenster, du denkst: Im Urlaub war doch immer Sonnenschein, verdammt.
Spätestens jetzt musst du es aussprechen, weil dir klar ist, was hier los ist: „Willkommen Sehnsucht, ich will wieder zurück!“
Die anderen Sprachen sagen:
Englisch: longing
Französisch: ardeur
Italienisch: bramosia
Das Lexikon sagt:
Sehnsucht ist ein unbefriedigtes, tiefes Verlangen nach Jemandem oder Etwas, den oder das man liebt und/oder begehrt. Die häufigsten Sehnsüchte sind die nach Anerkennung, nach einer Person wegen Liebe bzw. Verliebtsein oder nach einem Gefühl (z.B. Sehnsucht nach Geborgenheit).
Es gibt Menschen, die sich vor Sehnsucht „verzehren“, das heißt, daran zerbrechen; insofern kann man fast von einer krankhaften Sehnsucht sprechen. Gänzlich psychopathologische Züge nimmt bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen die Sehnsucht nach dem eigenen Tod (z.B. Todestrieb) und der Suizidwunsch an.
(wikipedia.de)
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