Ge-dich-te. Die haben wir alle mal auswendig gelernt, den Erlkönig vielleicht, den Zauberlehrling, Goethe hat da einiges zu bieten. Manchen hat Schillers Bürgschaft getroffen, andere sagten sich Eichendorffs Mondnacht auf dem Schulflur auf, bis sie sich die Zeilen endlich merken konnten. Gedichte, wie sie im Buche stehen.
Aber was steht heute so im Buche, wenn man von Lyrik spricht? Wer reimt in diesem Jahrtausend zwischen den Buchdeckeln? Und reimt da überhaupt noch jemand?
Die Lyrik von heute blüht, so sagt man. Doch man kann sie nur Dichter für Dichter kennenlernen, Gedichtsband für Gedichtsband. Deshalb soll genauer hingeschaut werden, in den Gedichtsband vor dem verschwinden von Andrea Heuser.
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introvertierter kosmos
jeder lebt in seiner welt.
ausbruch? nur selten möglich.
so viele momente -
durch feigheit beendet
ohne überhaupt begonnen zu haben.
“lebe jetzt!” sagst du
und verbrennst deinen
Ausbildungsvertrag.
viel ist zu sehen -
weniger zu verstehen.
blick nach vorn,
kein schritt zurück;
Auf ins nichts! -
zurück bleibt nur alles.
Wir sagen:
Prüfungen gibt es überall, ob in der Schule, der Uni oder im Privatleben. Manche Menschen übertreiben es aber auch. Gutes Beispiel: meine erste Abiturprüfung. Rot-weißes Absperrband und weiße Banner mit „Abiturbereich! Bitte Ruhe!“. Abgeschlossene Türen, für die nur ausgewählte Leute einen Schlüssel haben. Gestempeltes Papier für Notizen, kontrollierte Aktenbögen. Das gleichzeitige Öffnen der versiegelten Umschläge. Namen auf dem Tisch, alle sitzen alphabetisch geordnet. Ein kurzes Gebet für den offenen Geist.
Überprüfte Toilettengänge und ultra-flauschiges Kamillenpapier. Da wird man gleich noch aufgeregter und unruhiger als man es ohnehin schon ist.
Tausende junge Menschen in NRW legen momentan ihre Abiturprüfungen ab. Sie wollen sich konzentrieren, übertriebene Vorsichtsmaßnahmen und alberne Aktionen bringen ihnen nichts. Aber vielleicht ist ja auch der Sinn dahinter alle zum Lachen zu bringen. Liebe Frau Sommer, das haben sie geschafft! Und sollte es mit der Prüfung dann doch nicht geklappt haben, gibt es ja noch die Nachprüfung.
Die anderen Sprachen sagen:
englisch: assessment
spanisch: la comprobación
chinesisch:审查
Das Lexikon sagt:
Prüfungen sind arrangierte Situationen, in denen bestimmte Leistungsvollzüge provoziert werden, um Fähigkeiten, Wissen, Können und Dispositionen zu messen. Vom Ergebnis dieser Leistungsmessung wird ein Aussagewert über spätere (mögliche) Leistungen erwartet und häufig ist die Vergabe von Berechtigungen und Aufstiegsmöglichkeiten an sie geknüpft.
»Ich liebe dich.«
Deine Worte verhallen leise. Süß klingt das Echo in meinen Ohren nach.
Du merkst nicht, wie schnell mein Herz schlägt, als du mich enger an dich ziehst – ich will keine Luft zwischen uns – und mich küsst.
Mit einem leisen Seufzen sinke ich an dich, versinke ich in dir. Farben verschwimmen, Geräusche verschwinden. Wir.
Nein!, meldet sich die ungewollte Stimme in meinem Kopf. Nein!
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Wir sagen:
Immer da.
Jeden Tag.
Fassen wir sie an.
Zerren an ihnen.
Doch niemals.
Beschweren sie sich.
Nur wir.
Tun es.
Und zwar.
Wenn sie reißen.
Lang, kurz, breit, kariert, gestreift, weiß, gelb, blau, grün oder einfach schwarz.
Ich rede natürlich von Schnürsenkeln.
Jeden Tag haben wir sie in der Hand, aber nie würdigen wir sie eines Blickes oder machen uns Gedanken um sie.
Schnürsenkel sind einfach da.
Aber was würden wir ohne sie machen? Würden wir auf Socken herumlaufen oder in Schuhen, die von Klebeband und Nägeln zusammengehalten werden?
Würden wir auf Händen gehen oder auf den Knien durch die Gegend kriechen, weil wir keine Schnürsenkel besitzen?
Man weiß nicht genau, wann die Schnürsenkel aufkamen und populär wurden.
Was man aber weiß, ist, dass sogar der sogenannte „Ötzi“, der am Schnalstaler Gletscher gefunden wurde (ein bisschen Allgemeinbildung kann zwischendurch nicht schaden), seine Schuhe mit Lederriemen zu band, damit sie sich nicht öffneten.
Also ist der Schnürsenkel sogar schon um die 5300 Jahre alt, und wir ziehen und zerren jeden Tag, ohne Erfurcht und Scham an einem antiken Faden herum, der eigentlich ins Museum gehört!
Auch den Engländern war das egal. Trotz der unpraktischen Handhabung trug man dort bis zum Jahr 1970 Schnallen statt Senkel, bis sie sich ihrem unmodischen Stil bewusst wurden und auf Schnürschuhe umsattelten.
Dabei sind Schnürsenkel doch so vielfältig. Das Internet zum Beispiel sagt zu Schnürsenkeln folgendes:
„Die für ein bestimmtes Paar Schuhe benötigte Länge der Schnürsenkel ist in erster Linie von der Anzahl der Schnürösen-Lochpaare abhängig, kann aber zusätzlich variieren (Breitschnürung, Engschnürung, Verwendung von Haken statt Ösen usw.) Ein Anhaltspunkt ist folgende Tabelle:
| Lochpaare | Länge (in cm) | |
| 2 | 45 | |
| 3 | 45 oder 60 | |
| 4 | 60 | |
| 5 | 75 | |
| 6 | 90 oder 100 | |
| 8 | 150 | |
| 10 | 180 |
Sehen Sie?
Genau deshalb sollte man dem Schnürsenkel ein bisschen mehr Respekt zollen.
Und denk bitte daran, wenn du dir das nächste Mal deine Schuhe bindest.
Die anderen Sprachen sagen:
Englisch: shoelace
Chinesisch: xié dài
Japanisch: kutsú-himo
Das Lexikon sagt:
Die Schnürsenkel, Schnürbänder, Schnürriemen, Schuhbänder, Schuhbanderl oder Schuhbändel (Schweiz, Baden-Württemberg) sind Bänder oder Schnüre, die dazu dienen, Schuhe mit einem Schnürverschluss zu verschließen, um deren Halt am Fuß zu gewährleisten.
Und was sagst du?
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