Wir sagen:
Wer kennt ihn nicht, den roten Tee. Das Statussymbol der Jugendherberge, Gegenstand jeder Kindheitserinnerung an diese Übernachtungsstätten. In manch einer Landjugendherberge ist der rote Tee nach wie vor nicht das einzige Indiz für den „Wandervogelcharakter“ der Jugendherbergen.
Jetzt werden sie 100 Jahre alt – und zeigen sich in einem völlig anderen Gewand als 1909. Damals hatte der Altenaer Lehrer Richard Schirrmann, der mit einer Klasse auf Wanderung war, die Idee zur Jugendherberge. Die Gruppe suchte im Regen abends nämlich eine Übernachtungsmöglichkeit – ein Bauer wies sie ab. Der Lehrer ließ die Schüler daraufhin in der Schule übernachten und die erste Jugendherberge war geboren. 1912 wurde dieses erste, noch recht provisorische Gebilde, durch eine offiziellere Jugendherberge auf Burg Altena ersetzt. 1911 gab es schon 17 Jugendherbergen. Damals ähnelten Jugendherbergen aber eher Massenquartieren: Einzelzimmer waren nur für Betreuer vorhanden, während die eigentliche Jugend in Großraumschlafsälen zu übernachten hatte.
Heute gibt es allein in Deutschland 550 Jugendherbergen, weltweit rund 4000.
Die Träger der Jugendherbergen in Deutschland sind meist die Landesverbände des Deutschen Jugendherbergswerks, teilweise auch Städte oder Gemeinden. Jedes Haus hat seine „Herbergseltern“, die neuerdings jedoch als „Leiter“ bezeichnet werden.
Den Begriff „Jugendherberge“ hat sich das Deutsche Jugendherbergswerk (DJH) schützen lassen. Andere Anbieter müssen ihre Häuser daher mit „Hostel“, „Backpacker“ oder anderen Begriffen umschreiben. Derzeit gibt es einen Rechtsstreit über diese Regelung, der aber noch nicht entschieden ist.
Um in einer Jugendherberge übernachten zu können, muss man Mitglied im DJH sein. Der Ausdruck „Jugendherberge“ ist eigentlich aber schon ziemlich antiquiert: Zwar residieren zum Großteil jüngere Menschen in den Häusern, inzwischen übernachten dort aber auch ältere Reisende, Geschäftsleute oder Tagungsgäste. Das liegt vor allem daran, dass inzwischen die meisten Jugendherbergen (was Ausstattung und Service anbelangt) fast schon Hotelstandard erreicht haben, dennoch im Verhältnis relativ günstig sind. Im Vergleich zu früher haben die Preise aber kräftig angezogen.
Und den roten Tee, den gibt es tatsächlich immer noch – nicht nur in den alten, heruntergekommenen Häusern, sondern auch in den frisch renovierten – aber wohl mehr aus Kult; denn der Hagebuttentee ist bei anderen Getränken, wie schwarzem Tee oder Kaffee wohl kaum eine ernstzunehmende Alternative.
Die anderen Sprachen sagen:
Englisch: youth hostel
Russisch: Молодежная турбаза
Hebräisch: אכסניה
Das Lexikon sagt:
Der Begriff Jugendherberge beschreibt umgangssprachlich eine preisgünstige, einfache Herberge. Im engeren Sinne bezeichnet er in Deutschland eine Unterkunft des Deutschen Jugendherbergswerks (DJH), in der Schweiz eine Herberge der Schweizer Jugendherbergen. International ist die englische Bezeichnung Youth Hostel (Herberge) üblich. Jugendherbergsähnliche Einrichtungen, die nicht einem Verband der International Youth Hostel Federation (IYHF) angeschlossen sind, werden weltweit als Hostel bezeichnet.
In Deutschland ist die Bezeichnung Jugendherberge seit 1998 als Marke des Deutschen Jugendherbergswerks geschützt. Kommerziell betriebene Unterkünfte, die sich an Rucksackreisende wenden, bezeichnen sich daher auch in Deutschland meist als Hostel, Backpacker Hostel oder einfach Backpacker.
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