Heikel wird es im Unterricht, wenn man während der Gruppenarbeit keine Notizen macht und dann überraschend und urplötzlich die Ergebnisse der Klasse vorstellen soll. Manch einer mag vielleicht meinen, dass unsereins nach zehn Jahren Schule mittlerweile wissen müsste, wie der Lehrer läuft, aber da kann ich versichern: dem ist nicht so.
Während meine Freundin und ich die Fragen diskutieren und unsere Antworten tatsächlich auch notieren, schauen die Herren der Schöpfung konzentriert aus dem Fenster und nicken, wann immer man es wagt, sie nach ihrer werten Meinung zu fragen. Ab und an kommen wir in den Genuss eines genuschelten „Mh, seh ich auch so“ - aber selten.
Tick, tick, tick – Stifte weg.
Und dann der Schreckenssatz: „Der Jüngste der Gruppe präsentiert die Ergebnisse.“
Ein gefluchtes „Scheiße“.
Gleichzeitig reichen meine Freundin und ich unsere Notizen nach hinten an den Pechvogel.
Ein gemurmeltes „Ey, ohne Frauen wären wir aufgeschmissen.“



Aber von vorn. Wir befinden uns nämlich auf einer Radtour – ich und mein Freund Paul haben beschlossen, drei Wochen auf dem Rad zu verbringen. Es ist Mittwoch, der 1. Juli. Morgen soll es losgehen – von Köln nach Hamburg und wieder zurück. Doch bevor die Tour richtig begonnen hat, habe ich schon die erste Panne, genauer gesagt, einen platten Reifen an meinem Vorderrad, der die Fahrt von Wesseling nach Köln (Paul wohnt in Bonn und wir treffen uns da) verhindert. Und das bei einem angeblich pannensicheren Reifen. Ich steige notgedrungen in die Straßenbahn um (zum Glück ist mein Fahrrad noch unbeladen), während Paul mit dem Rad in die Kölner Südstadt fährt. Der Reifen ist schnell repariert, am nächsten Morgen fahren wir los. Die erste Station soll die Jugendherberge Duisburg-Wedau sein. Wir fahren über den „Erlebnisweg Rheinschiene“, der, wie der Name schon erahnen lässt, am Rhein verläuft. Es ist so heiß, dass der Aufstrich unserer am Morgen geschmierten Brote schmilzt.
