antonia

warum es nicht attraktiv ist, erwachsen zu sein

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erwachsen sein | foto: Knipsermann, Abseits! - CC-Lizenz (BY 2.0) http://creativecommons.org/licenses/by/2.0/de/deed.de, quelle: www.piqs.deMan muss Steuererklärungen schreiben

(weil man sein eigenes Geld verdient).

Man muss putzen, einkaufen, Wäsche waschen

(weil man in der eigenen Wohnung lebt).

Man hat keine Sommerferien mehr

(weil man nicht mehr zur Schule muss).

Man bekommt Falten

(die vom Leben zeugen).
Deshalb ist es nicht attraktiv, erwachsen zu sein

(wenn man all die guten Sachen ausklammert).

In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung zu seinem neuen Roman “Juliet, Naked” am 26. August 2009, hat Nick Hornby gesagt, dass es nicht besonders attraktiv ist, erwachsen zu sein, weil Menschen, die um jeden Preis erwachsen sein wollen oft enttäuschend langweilig sind und keinen Sinn für Humor haben. Erich Kästner hat so etwas ähnliches gesagt: “Nur wer erwachsen wird und ein Kind bleibt, ist ein Mensch.”
So entstand dieser Text, der zu einer Serie gehört: 200 Zeichen, pointieren und nachdenken, warum es nicht attraktiv ist, erwachsen zu sein. Was ist erwachsen sein überhaupt?

laura

hoffnung. oder: von dingen, die ich nicht mehr brauche

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hoffnung | foto: Weston Boyd - Crooked, CC-Lizenz (BY 2.0) http://creativecommons.org/licenses/by/2.0/de/deed.de, quelle: www.piqs.deIch möchte die Hoffnung ersticken.

Bis sie sich am Boden windet und bei jedem erfolglosen Atemzug
das Stechen in ihrer Brust unerträglicher wird.

Ich möchte der Hoffnung die Augen auskratzen,
dass sie nurnoch blindlings vorwärts stolpern kann und dann aus Angst erstarrt.

Ich will ihr ein Messer ins Herz rammen,
dass ihr der grünliche Saft auf dem Körper fließt und sie sich wünscht, niemals existiert zu haben.

Ich will der Hoffnung jedes einzelne Haar ausreißen,
dass sie bei jedem erinnert, wie häufig sie unnütz gewesen ist.

Ich möchte die Hoffnung mit Füßen treten,
bis ich mit jeder Rippe auch ihren Willen gebrochen habe.

Ich sollte die Hoffnung ersäufen.
Und mit ihr die Sehnsucht, die Erfahrung und Liebe.

Doch eigentlich
erstickt die Hoffnung
mich.

franca

colorado post - how are you?

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“Good Morning America, how are you?
Don’t you know me I’m your native son…”

How are you? – das ist die Frage, um die sich alles dreht, hier in den Vereinigten Staaten von Amerika.
Kein Gespräch wird ohne sie begonnen, kein Kaffee für den Kunden im Coffeshop zubereitet und auch keine Post Richtung good old Germany aufgegeben…

Nach gut einer Woche hier in Alamosa/Colorado kommen auch mir diese drei Worte immer leichter über die Lippen, fast schon automatisch. Egal ob ich meine WG-Mitbewohner nach der Arbeit wiedersehe, einem Obdachlosen in der Foodbank weiterhelfe oder einen jungen Geschäftsmann im Milagros bediene: Fragen und gefragt werden – daran geht kein Weg vorbei.

In Deutschland stand ich der amerikanischen Freundlichkeitskultur eher skeptisch gegenüber: Amerikaner sind so was von oberflächlich, die interessiert es doch gar nicht wirklich, wie es mir geht!
colorado post 1 | foto: Merlin-oz - Sun over America,  CC-Lizenz (BY 2.0) http://creativecommons.org/licenses/by/2.0/de/deed.de, quelle: www.piqs.de
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wassily

stell dir vor, es ist wahl und keiner geht hin

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„Die Politiker reden viel zu viel unnötiges Zeug!“

„Für meine Probleme interessiert sich eh kein Politiker!“

„Die streiten viel zu viel und entscheiden sich nie!“

stell dir vor es ist wahl | foto: Mäx - …..dem Deutschen Volke zuliebe,  CC-Lizenz (BY 2.0) http://creativecommons.org/licenses/by/2.0/de/deed.de, quelle: www.piqs.deSolche Sprüche kann man überall in Deutschland nicht nur so kurz vor der Bundestagswahl hören. Und all jene, die so reden, werden mit größter Wahrscheinlichkeit nicht wählen gehen, denn „Politiker sind ja eh alle korrupt und bescheuert.“

Wirkt auf den ersten Blick verständlich, aber auf den zweiten schon nicht mehr.

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antonia

leben und lieben

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Eindrücke von Judith Hermanns Lesung in der Kulturkirche und ihrem neuesten Buch Alice

„… Alice gab den Grund unter ihren Füßen auf, tauchte ein und schwamm hinaus.“

Als Judith Hermann nach ungefähr einer Stunde aufgehört hat zu lesen und der Beifall verklungen ist, beugt sich Thomas Böhm, Programmleiter des Literaturhauses Köln und heute Moderator der Lesung, zu der Autorin herüber und flüstert ihr etwas ins Ohr.
Da alle im Publikum die Ohren spitzen, sich der Bühne entgegenrecken und nur zu gerne wissen würden, was er da gerade mit Blick auf die Zuschauer gesagt hat, löst er das Mirakel auf: „Ich habe Judith Hermann gerade gesagt, dass bei einer Lesung im Literaturhaus noch nie so lange geklatscht wurde wie nach dieser Geschichte.“

Das Publikum kann sich das vorstellen, Judith Hermann lächelt berührt und vielleicht  sogar ein wenig stolz.
Sie hat gerade Conrad gelesen, die zweite Erzählung aus ihrem dritten Buch Alice, das fünf Geschichten in sich vereint. In jeder Geschichte spielt Alice die Hauptrolle, in jeder Geschichte stirbt ein Mann.

Schwere Kost, mag man denken, ein Buch über Tote, übers Sterben. Wer mag das lesen und, vor allem, was für ein Mensch schreibt so ein Buch?
leben_und_lieben | foto: Geli - rotköpfiger feuerkäfer, CC-Lizenz (BY 2.0)<br /> http://creativecommons.org/licenses/by/2.0/de/deed.de, quelle: www.piqs.de
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