Als Ana zehn Jahre alt ist, nimmt ihre Großmutter sie beiseite und sagt ihr, dass sie HIV-positiv ist und dass Ana deswegen jeden Morgen und jeden Abend Tabletten schlucken muss. Was HIV oder AIDS ist, weiß Ana nicht.
Aber ihre Großmutter sagte nur: “Ana, das ist ein Geheimnis, das du niemals jemandem verraten darfst. Nicht einmal deiner besten Freundin oder sonstigen Freundinnen. Nie.”
Ana nickte.
Mit zehn Jahren hat Ana bereits drei Geheimnisse. Und jedes davon beschützt das andere: Sie kann niemandem erzählen, dass sie schon seit ihrer Geburt den HI-Virus in sich trägt, denn dann würde man wissen, dass ihre Mamá daran gestorben ist. Sie kann auch nicht von ihrer Schwester erzählen, die sie nie kennen gelernt hat, weil auch diese direkt nach der Geburt an AIDS gestorben ist.
Schon bald kommt dann auch noch ein viertes Geheimnis dazu, das sie mit ihrer anderen Schwester Isabel teilt: Ernesto, der Freund ihrer Großmutter, hat die beiden angefasst. Ihre Großmutter glaubt Ana nicht, als sie bei ihr Hilfe sucht. Ana fühlt sich allein. So allein wie noch nie, als kurz darauf auch ihr Papá an AIDS stirbt.
Als der Priester fragte, ob sonst noch jemand etwas sagen solle, stand Ana auf. Ihre Hände zitterten und sie fühlte sich schwach, aber sie wollte sprechen. Sie dachte, wenn sie gleich jetzt, in Papás Trauerfeier, sprach, würde Gott vielleicht eher zuhören.
Weinend rief sie Gott zu: “Warum hast du uns Papá genommen?
Sie schluchzte einen Moment und fuhr dann fort: “Er war doch alles, was wir noch hatten. Du hast uns schon genug genommen. Warum auch noch Papá?”
Als sie bei ihrer Konfirmation auf einen Zettel schreibt, dass sie sich ein Leben ohne Misshandlung wünscht, wird sie schließlich aus dem Haus ihrer Großmutter geholt und zusammen mit Isabel in das Haus ihrer Tante Sonia gebracht. Doch auch dort begegnen ihr Schläge, Spott und Scham.
Wie Ana schließlich in einer Besserungsanstalt landet und von dort aus weiter ihren Weg in ein freies Leben sucht, schildert Jenna Bush in kindlicher Sprache, was den Stoff von Anas Geschichte leichter verdaubar macht. Dabei verliert man in keiner einzigen Szene den Eindruck, dass jedes Gefühl und Geschehnis real ist, passierte und weltweit auch vielen jungen Mädchen noch heute passiert.
Genau deshalb hat Jenna Bush, Tochter von George W. Bush, am Ende der Geschichte einen Brief an die Leser verfasst, in dem sie von Anas Kraft erzählt, von ihren zwei Persönlichkeiten. Denn auf der einen Seite ist Ana wie so viele mit 17 noch ein Kind, das geliebt und beschützt werden möchte; auf der anderen Seite jedoch ist sie eine verantwortungsvolle Frau, die ihren Weg geht. So geht es vielen Kindern und Jugendlichen, die zu schnell erwachsen werden mussten.
Jenna Bush, die sich stark bei UNICEF engagiert, traf sich über ein halbes Jahr regelmäßig mit Ana und ließ sie ihre Geschichte erzählen. Auf der letzten Seite des Buches gibt sie Anregungen, wie man sich auch ohne viel Zeitaufwand für misshandelte Kinder und Jugendliche engagieren kann. Außerdem klärt sie 10 Mythen über HIV und AIDS und Misshandlung auf, die allerdings bei genauerem Hinsehen keine wirklichen Mythen sind, sondern Fakten, welche die meisten Jugendlichen bereits kennen. Zudem schlägt die Autorin Diskussionsfragen vor, damit man sich in einer Gruppe über diese wichtigen Themen austauschen kann.
Mit dem Kauf von Anas Geschichte - Ein Stück Hoffnung unterstützt man außerdem UNICEF, denn alle Nettoeinnahmen der Autorin werden dieser Organisation gespendet. Allerdings hätte man bei der Produktion des Buches viel Geld sparen können, denn es ist auf dickem, weißen Fotopapier gedruckt und alle paar Seiten mit farbigen Fotografien von Mia Baxter versehen. An sich eine schöne Idee, denn die Bilder geben der Geschichte mehr Leben, aber wenn ich zwei Mal darüber nachdenke, hätte man die Produktionskosten herunterfahren sollen und somit viel höhere Spenden erzielen können.
Insgesamt hat sich Jenna Bush viel Mühe gegeben, das Buch in einer kindlichen Sprache zu verfassen. Allerdings ist es teilweise zu kindlich geschrieben für die ernste Thematik. Für einen älteren Leser klingt das Erzählte naiv und die Protagonistin meist nicht so reif, wie die Autorin sie beschreibt.
Dennoch klärt das Buch auf und hinterlässt einen bleibenden Eindruck. Zudem wurde es für den Deutschen Literaturpreis 2009, Kategorie Preis der Jugendlichen, nominiert.
Titel: Anas Geschichte - Ein Stück Hoffnung
Autorin: Jenna Bush
Verlag/ISBN: dtv/978-3-423-62372-8
Preis/Seitenanzahl: 9,95€/294 Seiten mit Farbfotos von Mia Baxter
