ein morgen in einem videospiel | foto ausschnitt: backflip - Selbstdarstellung, CC-Lizenz (BY 2.0) http://creativecommons.org/licenses/by/2.0/de/deed.de, quelle: www.piqs.deIch bin ein Nanochip – einer von Tausenden. Ich und meine Kollegen bilden die Figuren, die ihr User (so nennen wir euch) immer kontrolliert wenn ihr ein Computerspiel spielt - egal welches.

Wenn eure Figuren mal sterben, fliegen wir aus dem Spiel und führen unser normales Leben auf euren Servern weiter, bis wir einen neuen Auftrag bekommen.

Nach vielen Jahren Arbeit bleiben wir dann für immer zu Hause, auf euren Servern, bis unser Verfallsdatum ansteht und wir irgendwann im Daten-Nirwana verschwinden.

Diese Geschichte, die ich hier erzähle, beschreibt einen meiner Arbeitstage. Allerdings einen, der mir nur schwer aus dem Kopf geht. Ich hoffe, dass ich ihn vergessen kann, wenn ich ihn hier aufschreibe und danach im Papierkorb des Computers für immer vernichte.

Falls die Geschichte jemand findet, würde ich mich freuen wenn sie ihm gefällt. Als ich eines Morgens aufwachte, fand ich mich auf einer grünen Wiese wieder. Ich trug eine silbern-grüne Rüstung und in meinen Händen lag ein Schwert. Ich wollte mich umschauen, da tauchte vor mir ein Schild auf. Auf dem stand: „Willkommen Lennart!“. Ich erschrak, aber nach wenigen Sekunden verschwand das Schild, und ein neues tauchte auf. Auf dem stand: „Bewegung 1“. Auch dieses Schild verschwand und plötzlich ging ich, ohne es zu wollen, zu einer Flagge am Rande der Wiese.

„Wieso gehe ich zu einer Flagge, obwohl ich das gar nicht will?“, fragte ich mich. Als ich in ihre Nähe kam, erschien wieder eins dieser nervigen Schilder, das mich dieses Mal lobte.

Auf einmal hörte ich eine Stimme, die um Hilfe rief. Ich drehte mich um, was ich gar nicht beabsichtigte, und sah eine Frau vor einem Haus stehen.

„Die große Spinnenkönigin terrorisiert uns schon seit langem.“, sagte sie.

„Könnt mir mir und meinen Freund Sturbold nicht helfen, sie auf der Lichtung dort drüben zu töten? Ich könnte euch einen Ring und einen Geschenkbeutel dafür geben.“

Ich öffnete den Mund, um dankend abzulehnen, doch stattdessen hörte ich meine Stimme: „Gute Frau, natürlich werde ich Euch helfen, der schrecklichen Herrschaft der Spinnenkönigin ein Ende zu setzen.“

Ich konnte es selbst nicht glauben. Die Frau dankte mir überschwänglich, dann kam ein Hund in Menschenkleidung aus dem Haus und sagte mir, ich solle ihm folgen. Langsam wuchs mir die Situation über den Kopf.

Meine Füße bewegten sich automatisch in Richtung Gefährliche-Lichtung-mit-Spinnenkönigin-die-mich-gerne-essen-würde, taten somit nicht das, was sie sollten, denn eigentlich wollte ich mich elegant aus dem Staub machen.

Als wir auf der besagten gefährlichen Lichtung ankamen, zog ich sofort mein Schwert und ging auf drei riesige Spinnen los, die auf der Lichtung gerade drei arme kleine Wölfe verprügelten. Was war mit mir los? Sonst war ich ein Feigling. Und wieso konnte ich mit einem Schwert kämpfen?

Nachdem ich die drei Spinnen getötet hatte, kam die Spinnenkönigin – sie war wirklich gigantisch – und zündete mich gleich mal an. Einfach so – aber mir machte es fast nichts aus!

Ich – na ja, also obwohl ich eigentlich ein Schisser bin - stellte mich ihr entgegen und hob mein Schwert gegen sie. Nach ein paar Hieben lag die Spinnenkönigin mausetot auf dem Boden.

Meine magischen Füße trugen mich wieder zu der Frau zurück. Nachdem ich meine wohlverdiente Belohnung für diese Heldentat bekommen hatte, wurde es schwarz um mich herum.

ein morgen in einem videospiel | foto ausschnitt: backflip - Selbstdarstellung, CC-Lizenz (BY 2.0) http://creativecommons.org/licenses/by/2.0/de/deed.de, quelle: www.piqs.deEine Tür öffnete sich in der Dunkelheit  und ein Lichtstrahl fiel herein. Ein dicker kleiner Mann im schmutzigen weißen Shirt stand vor mir.

Ich begrüßte ihn: „Hi Bird, ist das das neue Spiel von den Usern?“

„Ja, ich musste es gestern auch schon ausprobieren.“, antwortete er.„Wie gefällt´s dir?”

„Ach, gar nicht schlecht. Aber ich finde es etwas zu schnell und brutal.“, sagte ich.

„Hey, ich hab´ gehört sie brauchen noch einen für `Hello Kitty Online´. Das magst du doch so gerne.“ Bird grinste.

„Ach halt die Klappe!“, fuhr ich ihn an.