Wir sagen:
Geheimversteck. Das ist so ein schönes Wort und trotzdem hätte ich es fast vergessen.
Zehn Jahre habe ich es wohl nicht mehr benutzt, nicht mehr gehört, als ich vor einer Grundschule zwei kleine Mädchen sehe.
„Ich gehe schon mal vor, ich warte dann am Geheimversteck“, sagt die eine mit aller Selbstverständlichkeit zu ihrer Freundin - und mir purzeln die Erinnerungen entgegen, als hätte man ein lange verschlossenes Schrankfach aufgemacht.
Geheimversteck, was ist das für ein wunderbares Wort!
Es ist nicht nur ein Versteck, sondern auch noch geheim – etwas besseres kann man sich als Kind wohl kaum ausmalen.
Das dichte Dach aus Blättern, das vom Sonnenlicht hellgrün leuchtete und meine Freundin und mich vor neugierigen Blicken schützte. Das Rascheln der Zweige, wenn wir uns an ihnen vorbei in die kleine Höhle zwängten und das Flüstern, weil wir nicht entdeckt werden wollten – wie deutlich diese Erinnerungen sind!
Zwar wurden alle Geheimverstecke meiner Kindheit irgendwann entdeckt, eines sogar von mehreren meiner Klassenkameraden zur gleichen Zeit benutzt, aber auch von den entdeckten Verstecken ist in meiner Erinnerung vor allem eines geblieben: Die geheimniskrämerische, fast verzauberte Atmosphäre und ein Gefühl, als sei dieser kleine Ort von zentraler Bedeutung für die ganze Welt gewesen.
Denn das war er ja auch, zumindest für meine Welt und solange er zum Spielen geeignet war.
Wann habe ich aufgehört, durch die Gegend zu streifen und mit Freunden oder allein einen solchen besonderen Ort zu suchen, einen, der die Phantasie inspiriert?
Warum sammelt man heute keine solchen Geheimnisse mehr, um sie dann zu hüten wie einen kostbaren Schatz?
Ich finde, man sollte sich öfter an dieses Wort erinnern.
Die anderen Sprachen sagen:
Englisch: secret hiding-place
Französisch: cachette secrète
(frei übersetzt)
Das Lexikon sagt:
Geheim: Nicht öffentlich bekannt, verborgen.
Versteck: Geheimer, anderen nicht bekannt Ort; Ort, an dem man jemanden oder etwas verstecken kann.
(DUDEN Bedeutungswörterbuch)
Das Wort Geheimversteck selbst ist aber wohl zu geheim, um im Lexikon erläutert zu werden…
Und was sagst du?
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