Wir sagen:
Kommt der Winter nicht, dann jammern alle, dass es früher doch alles besser war: Da gab es diese klirrende Kälte, vor Weihnachten wurde der Christbaum mit dem Schlitten aus dem Wald geholt, Nachmittage waren ausgefüllt mit Rodelpartien und Schneeballschlachten – diese Schlachten waren noch richtige Schlachten, aber hinterher hatten sich alle immer lieb. Wenn man nach Hause kam, dann knisterte ein Feuer im Kamin und es gab Bratäpfel und heißen Kakao, während sich die Nacht über die kleine Hütte senkte und sich Eisblumen auf den Fenstern abzeichneten. Was war das damals schön (damals hängt vom Kindsein des Erzählers ab und kann auch erst zehn Jahre her sein…).
Heute schimpfen alle im November, wenn es nicht schneit und bei 14 Grad lauwarm ist. Wenn es dann schneit und kalt wird, dann schimpfen alle, weil es schneit und kalt wird und reden vom Wintereinbruch.
Wo bitte bricht denn der Winter ein? Das klingt, als wäre der Winter kriminell. Meteorologisch ist es Winter und im Winter gibt es Wetter, das je nach Region mehr oder weniger winterlich ist. Weil es aber eben nicht mehr früher ist und wir alle ziemlich bequem sind, bricht der Winter bei uns ein.

Winter heißt nämlich heute: rutschige Gehwege, die geräumt werden müssen, Streusalzmangel, vereiste und verschneite Straßen, Staus und fehlende Mobilität, vereiste Landebahnen auf Flughäfen, vereiste Hochleitungen bei den Straßenbahnen und Zügen, kalte Füße und Nasen und dreckige, weil matschige Hausflure. Frei nach dem Motto: Schnee sieht schön aus, macht aber viel Arbeit.
Am Wochenende soll es einen Wintereinbruch geben, neudeutsch von einigen Boulevardblättern Blizzard genannt. Und es gibt die ersten Hamsterkäufe. Es kann ja sein, dass einem über das Wochenende die Nutella ausgeht. Und was dann?
Vielleicht einen Spaziergang in der klirrenden Kälte, eine Rodelpartie, eine Schneeballschlacht, zu Hause einen Bratapfel und sich über die Vorzüge der Zivilisation freuen – warme Heizung, viele DVDs und gute Bücher, dicke Socken und eine Kuscheldecke?
Die anderen Sprachen sagen:
englisch: onset of winter
französisch: offensive de l’hiver
italienisch: arrivo (improvviso) dell’inverno
Das Lexikon sagt:
Das Lexikon kennt das Wort nicht, weiß aber, was Winter ist:
Der Winter (v. althochdeutsch: wintar; eigentl.: nasse Jahreszeit[) ist eine der vier Jahreszeiten der gemäßigten Zone der Erde. Je nachdem, ob er auf der Südhalbkugel oder der Nordhalbkugel herrscht, unterscheidet man zwischen Nordwinter und Südwinter. Aufgrund des wandernden Zenitstandes der Sonne zwischen südlichem und nördlichem Wendekreis wiederholt sich der Winter in jeder Hemisphäre mit einem jährlichen Turnus. Es ist daher auch möglich, aus einem Südwinter einen Nordsommer zu folgern und umgekehrt.
Astronomisch beginnt der Nordwinter mit der Wintersonnenwende - der Zeitpunkt, zu dem die Sonne senkrecht über dem südlichen Wendekreis steht und die Tage am kürzesten sind: auf der Nordhemisphäre am 21. oder 22. Dezember bzw. auf der Südhemisphäre am 21. Juni. Danach werden die Tage wieder länger und die Nächte kürzer, und der Winter
Phänologisch kann der Winterbeginn vom astronomischen erheblich abweichen und wird neben der Land-Meer-Verteilung (maritimes vs. kontinentales Klima) oft durch den Beginn einer dauerhaften Schneedecke markiert. Die Zu- oder Abnahme von Gletschern hängt aber weniger von der winterlichen Schneelage als vom ersten Neuschnee im Herbst ab, der die Ablation hemmt.
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genau richtig - was früher winter hieß, heißt heute schneehölle. und so wahnsinnig schlimm ist es ja gar nicht - dann bleibt man halt mal zu hause: diese ganze aufregung scheint mir völlig überzogen, sie zeigt aber das verlangen nach unbedingter mobilität bei den menschen. der zug kommt eine stunde später? ja und, dann passiert das halt mal bei dem wetter. und man braucht keine 2-stündige exklsiv-sondersendung drüber, oder?
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