aus dem logbuch … | foto: ines dettmann17. Juli 1519 Ich bekam heute einen Brief von Juan de Aranda. Er ist angeblich ein angesehener Mann. Mein guter Freund Micaele sagte mir, er sei der Faktor der Casa de Contración. Mir sagt das nichts aber es hört sich wichtig an. In dem Brief stand Folgendes:

Sehr geehrter Herr Jakore,

ich habe von vielen Fischern und auch Kollegen gehört, Sie seien ein erfahrener Schiffskoch und würden sich gut um die Mannschaften kümmern, die Sie begleiten. Aus diesem Grund möchte ich Sie darum bitten, bei einer Expedition in unbekannte Gewässer und Länder die Aufgabe des Schiffskochs zu übernehmen. Die Reise wird unbestimmt lange dauern. Wir bieten Ihnen einen Betrag von 300 Kronen für ein Jahr Mitreise und weitere 100 für jedes darauf folgende Jahr. Wenn Sie einverstanden sind oder noch Fragen haben sollten, kommen Sie doch bitte am 5. August des Jahres 1519 an den Hafen von Sevilla.

Mit freundlichen Grüßen,

Ihr Juan de Aranda

Ich werde dieser Reise beiwohnen und meine Arbeit so gut wie möglich verrichten.

5. August 1519 Es war ein schöner Tag. Die Sonne schien und es war sehr warm. Herr Juan de Aranda gab mir ein paar Informationen für die Reise. Das Schiff, mit dem ich reisen würde, hieß Santiago und der Kapitän Giovanni Serrano. Am 10. August sollte die Reise beginnen.Ich machte mir eine Liste mit Sachen die ich mitnehmen würde:

Für die Reise auf dem Schiff Santiago

1. Mein Reisesack

2. Meine Schiffskochbücher

3. Meine Bücher (Lesen ist der beste Zeitvertreib auf einem Schiff, wenn man nicht gerade besoffen ist oder singt.)

4. Mein Akkordeon

Ich freue mich schon auf die Reise.

10. August 1519 Als ich sie das erste Mal sah, hatte ich Tränen in den Augen. Die Santiago war eine Königin unter den Karavellen. Sie war zwar die Kleinste in unserer Flotte von fünf Schiffen, aber sie war auch die Schönste. Ein überaus freundlicher Unteroffizier führte mich durch das Schiff. Er zeigte mir die Schlafräume und meine Kombüse. Ich gesellte mich zu ein paar Matrosen, die an der Reling standen. Ich stellte mich vor und sie nannten mir ihre Namen Petro, Cammillo, Lotresso und Fabio. Petro kommt aus Sevilla, wie ich. Cammillo ist von Madrid angereist, Lotresso und Fabio - sie sind Brüder - kommen aus Lisboa. Alle vier waren für die Säuberung der Kajüten und Decks zuständig - da hatte ich eine bessere Arbeit bekommen. Wir plauderten ein wenig und es wurde später. Am Abend hatten sich viele Menschen vor den fünf Schiffen versammelt. Sie jubelten oder weinten als wir abfuhren.

20. September 1519 Endlich, die Nachricht der Trinidad – dem Schiff des Magellan – das wir weiter fahren konnten. Wir ankerten nun bereits mehr als fünf Wochen an der gleichen Stelle. Die Mannschaft erzählte sich, dass die Spanier uns aufgehalten hätten. Sie seien eifersüchtig auf den baldigen Erfolg von Magellan. Ich glaubte das nicht. Warum sollten die Spanier eine Entdeckungsreise aufhalten? Außerdem waren die meisten der Besatzung Spanier. Später erfuhr ich, dass es bei dieser Reise nicht nur um die Entdeckung neuer Länder ging. Magellan versuchte auch Handelswege zu finden, um schneller und auf sichereren Wegen zum Ziel zu kommen. Wir fuhren nun weiter. Ich ging meiner Arbeit nach. Jeden zweiten Tag gibt es Fleisch in viel Öl gebraten, damit die, von der Arbeit auf dem Schiff, völlig fertigen Männer, zu Kräften kommen konnten. Die anderen Tage gab es einen „Fischmisch“ wie ich es nenne. Irgendein Fisch aus der Fischtonne und ein paar Sardinen - wenn man Glück hatte eine zu erwischen. Als Nachtisch gab es immer Zwieback.

26. September 1519 Wir legten heute um die Mittagsstunde herum in einer Hafenstadt an, um neue Vorräte zu besorgen. Abends segelten wir dann weiter. Die Mannschaft hatte schlechte Laune, wir hatten erfahren, dass die Spanier uns verfolgten aber Herr Magellan würde das schon hinkriegen.

20. November 1519 Unser Kapitän berichtete uns heute, dass auf einem der anderen Schiffe ein Aufruhr entstanden war. Ein neuer Kapitän wurde für dieses Schiff bestimmt. Er teilte uns auch mit das wir den „Ekwator“ überquert hätten. Ich merkte das viele der Mannschaft dieses Wort nicht verstehen, ich gehöre ebenfalls dazu.

14. Dezember 1519 Das Schiff ging gestern vor Anker in einer wunderschönen Bucht. Man spürt, dass wir an einem anderen Teil der Erde gelandet sind. Die Pflanzen sind hier anders, so viel geschlängelter. Ich weiß nicht wie ich das beschreiben soll. Sie sehen so aus als würden sie sich bewegen, wenn man nicht hin sieht. Sie sehen aus wie grüne Schlangen ohne Kopf. Irgendwie machen sie mir Angst. Herr Magellan steckte die portugiesische Flagge in den Strand und taufte die Insel „Bahia de Santa Lucía“. Wir übernachteten auf der Insel und am nächsten Morgen fuhren wir wieder ab. Petro erzählte mir, er habe Stimmen in der verregneten Nacht gehört, die komische Laute von sich gaben und am heutigen Morgen sahen wir braune Gestalten am Strand, die uns anbeteten wie Götter. Alle auf dem Schiff lachten als sie diese Verrückten dort sahen.

aus dem logbuch … | foto: ines dettmann

10. Februar 1520 Endlich, wir fuhren weiter. Nach einem ganzen Monat Warterei und Suche nach einer Möglichkeit durch dieses verdammten Riff zu kommen. Nun, wenigstens bekomme ich pro Jahr nochmal etwas mehr Geld. Wenn das so weiter geht, bin ich nach dieser Reise ein reicher Mann und muss nie wieder arbeiten.

20. April 1520 Wir haben eine Insel gefunden. Wir würden nun eine Zeit lang auf auf Puerto San Julián bleiben. Der Winter war hart und durch die Meuterei verloren wir viele Männer. Die Aufständigen verrotteten jetzt auf der nahe gelegenen Insel  - sie hatten es verdient. Sich einfach gegen Herrn Magellan zu stellen, der der uns so gut versorgte und vor allem gut bezahlte. Die Insel Puerto San Julián war neun Seemeilen von ihrer Nachbarinsel entfernt, aber wir hörten immer noch die hilflosen Rufe der Zurückgelassenen. 25. Mai 1520 Endlich nach einem dreitägigen Marsch entlang der Küste von Puerto San Julián kamen Cammillo und ich bei den anderen beiden Schiffen an. Die Santiago hatte Schiffbruch erlitten und war verloren. Die restlichen Matrosen werden, auf dem Weg wie ich und Cammillo gekommen waren, nachkommen.

23. Juni 1520 Der Rest der Mannschaft unseres geliebten Schiffes ist heute angekommen. Nach vier Wochen! Lotresso und Fabio erzählten mir und Cammillo, was sie auf der Reise erlebt hatten. Sie sagten, sie hätten die dunklen Menschen getroffen . Sie waren alle halb nackt und hatten Knochen oder Dornen durch ihre Backen, Nasen und Augenlider gestochen. Sehr unappetitlich. Die Besatzung der Santiago wurde auf die restlichen Schiffe verteilt. Die Fahrt sollte in ein paar Monaten weiter gehen, sagt Herr Magellan. Ich gehörte nun der Mannschaft der Concepción an und unterstütze den Schiffskoch bei seiner Arbeit. Cammillo und Lotresso waren auch auf der Concepción. Wieder als Matrosen, um niedere Arbeiten zu verrichten.

21. Oktober 1520 Herr Magellan schickte heute die Concepción und die San Antonio auf eine Erkundung. Wir haben eine Meerenge gefunden und suchten nun einen Weg um sie herum. Nach vielen Stunden Fahrt und häufigem Löten, verloren wir die San Antonio aus den Augen. Vor ein paar Stunden kehrten wir zur Trinidad zurück, um zu berichten, dass weiter südwestlich ein Weg um die Meerenge führt.

22. Oktober 1520 Die San Antonio ist immer noch nicht zurück gekehrt. Wir warten jetzt schon einen Tag, seit wir Herrn Magellan von dem Weg berichteten der um unser Hindernis führte. Unser Kapitän und Herr Magellan berieten sich ein paar Minuten und eröffneten uns, dass wir ohne die San Antonio weiter fahren werden. Unser Kapitän sagte uns, er vermute die Mannschaft der San Antonio hätte eine Meuterei angezettelt, da der Pilot des Schiffes der einzige war, der gegen eine Weiterfahrt gestimmt hatte. Naja jetzt sind wir halt nur noch drei Schiffe.

5. Dezember 1521 Es ist schrecklich. Wir haben kein Essen, kein sauberes Wasser. Viele Matrosen haben eine mir unbekannte Krankheit. Ich bin zum Glück nicht betroffen. Es gibt bereits zwei Tote. Wir essen nur noch vergammelten Zwieback. Ich bin nun der Schiffskoch, da der Erste verstorben ist. Ich brate nun jeden Tag Ratten, bereite Suppe aus Sägespänen oder geröstetes Leder zu. Wenn wir nicht bald Land sehen, verrecken wir alle. Dann versinken wir im unendlichen Meer. Die Witwen werden weinend an unseren leeren dunklen Gräbern sitzen vor Trauer heulen. Unsere Kinder werden ohne Väter aufwachsen. Ich will noch nicht sterben! Gott, bitte lass mich diese Fahrt überleben. Bitte!

8. März 1521 Endlich sind wir weg von dieser schrecklichen Insel. Wir haben nun wieder Vorräte und können diese heidnischen schwarzen Biester auf der Islas de los Ladrones verrotten lassen. Sie wollten uns bestehlen und haben dafür ihre gerechte Strafe bekommen. Ich habe die meisten von ihnen verbrannt und getötet. Vier schäbige Hütten und mehrere Männer, Frauen und Kinder sind meinem portugiesischen Temperament zum Opfer gefallen. Mit ihren Vorräten, die übrigens sehr gut schmecken, werden wir gesund nach Hause kommen. Leider ohne Fabio, er wurde von einem dieser Monster getötet.

28. April 1521 Meine Trauer und Wut sind unbeschreiblich. Ich stand neben ihm. Er schrie mir zu ich solle verschwinden - Herr Magellan. Diese Missgeburten haben eine menschliche Gestalt, aber kein Herz , keinen Verstand, sind ohne Vernunft und so grausam wie ein Tiger im Blutrausch. Sie haben Magellan getötet, gestern. Er wollte ihnen nur den Glauben an die Gnade und die Liebe Gottes schenken. So hatte es schon bei dem Volk der Nachbarinsel funktioniert. Aber dieses Volk hier ist dickköpfig und dumm. Wir mussten ihnen mit Gewalt einflößen, dass sich keiner gegen die Könige von Portugal und Spanien stellen kann. Leider starb Herr Magellan und wir mussten auf unser Schiff zurückkehren.

30. April 1521 Nun ist auch der andere König dieser Heiden verrückt geworden und verleugnet das Christentum. Sie sollen alle in den Feuern der Hölle verbrennen, diese Tiere. Sie griffen uns an. Doch durch unsere Klugheit und Geschicklichkeit konnten wir erneut auf unser Schiff fliehen. Ich höre nun immer noch ihre verfluchenden Rufe durch mein Kajütenfenster.

31. April 1521 Elcano, der Nachfolger von Herrn Magellan, berichtete uns heute am frühen Morgen, dass wir ein weiteres Schiff verloren haben und nun auf die Molukkeninsel zusteuerten. Wir würden unsere wahre Aufgabe also nicht aus den Augen verlieren, wir würden mit den gewünschten Gewürzen heimkehren.

7. November 1521 Der gestrige Tag war sehr erfolgreich. Am Morgen kamen wir auf der Molukkeninsel Tidore wo wir vom Sultan die Gewürze bekamen sowie dreizehn ostindische Matrosen. Den Mittag verbrachten wir damit, die Waren auf das Schiff zu verfrachten. Am Abend feierten wir unseren Erfolg. Jetzt sind wir - nur mit der Victoria- auf der Heimreise. Ich freue mich schon auf meine kleine aber feine Hütte.

6. Mai 1522 Wir haben das Kap der Guten Hoffnung umrundet und werden hoffentlich bald zu Hause sein.

August 1522 Schon seit Monaten stürmt es. Wir haben den Vormast verloren. Lotresso und Cammilo sind gestern über Bord gegangen, mit ihnen dreizehn weitere tapfere Männer.. Petro ist auf der Trinidad , die immer noch im Hafen der Ostindischen Stadt ankert. Ich hoffe es geht ihm gut.

6. September 1522 Endlich, wir sind zu Hause. Nach fast drei Jahren. Wir sind zwar nur achtzehn von 256 Mann, aber wir haben überlebt. Ich werde nun mein Geld holen und mir eine bessere Behausung, sowie neue Utensilien für meine Arbeit besorgen.

Bemerkung des Autoren: Drei Jahre nach der letzten Aufzeichnung von Francesco Jakore kamen fünf der Besatzungsmitglieder der Trinidad wieder nach Hause. Ihre Namen waren: Gutio Abras, Oltrutzio Pontisso, Kontrinos Krates, Guido Skantess und Zioneles Holiomanes. Durch diese Expedition starben 161 Spanier, 39 Portugiesen, 15 Italiener, ein Dolmetscher, acht Ostinder und viele hundert Ureinwohner, die man aber aufgrund fehlender Informationen hier nicht aufzählen kann.