wise guys - klassenfahrtIch habe am letzten Donnerstag im  Januar 2010 fünf Männern beim Singen zugeschaut. Diese fünf Männer heißen Daniel „Dän“ Dickopf, Edzard „Eddi“ Hüneke, Ferenc Husta, Nils Olfert, Marc „Sari“ Sahr und nennen sich Wise Guys. Ich bin kein Fan. Und ich war nicht alleine: Rund 3000 sahen und hörten sich mit mir die Vorab-Premiere des neuen Wise Guys-Albums „Klassenfahrt“im Palladium an.
Um 20 Uhr soll es losgehen und pünktlich beginnen die Zuschauer lautstark auf den Boden zu stampfen und in die Hände zu klatschen. Rund zehn Minuten später kommen die Fünf dann endlich auf die Bühne und singen den „Herzlich Willkommen“-Song. Nach einem weiteren Lied, das ein Klassiker zu sein scheint, begrüßt „Dän“, ein blonder Lockenkopf, das Publikum mit den Worten „Wir sind die Wise Guys und kommen aus dem Rheinland“ und entschuldigt sich für die Verspätung wegen eines Verkehrschaos. Im gegenüberliegenden E-Werk findet zeitgleich die Stunksitzung statt. Heute würden fast nur Songs vom neuen Album gespielt, verkündet er. Aber „Auch alte Songs waren mal neu.“

Haha - so richtig witzig finde ich das nicht.

Er schiebt noch hinterher, dass es immer wieder aufregend ist, auf der Bühne zu stehen, vor so viel Publikum und schon geht es weiter. Wenig später geht die Saalbeleuchtung an.

Ist das Konzert etwa schon vorbei, frage ich mich?

Nein, eine so genannte „Zuschauerbefragung“ findet statt. Offensichtlich ist das ein immer wiederkehrendes Ritual auf Wise Guys-Konzerten: Die Band stellt eine Frage, z.B. „Wer war noch nie auf einem Wise Guys-Konzert?“ und die betreffenden Zuschauer heben die Hände.

Worin jetzt genau der Sinn dieser Aktion liegt, wird mir nicht klar.

Immerhin weiß ich jetzt, dass die meisten Zuschauer „Wiederholungstäter“ sind und ein paar Leute extra aus Polen angereist sind. Vor der Pause singt die Band noch ein paar Songs. Darunter ist auch einer, der von einem Mädchen geschrieben wurde, dessen Eltern sich getrennt haben. Im von den Wise Guys nur leicht an die Reime angepassten Text geht es um die Gedanken, die dieses Mädchen nach der Trennung hatte.

Nicht nur das beweist das soziale Engament der Wise Guys: Kurz vor der etwa 20-minütigen Pause weist „Dän“ auf das Hilfswerk „Misereor“ hin, mit dem die Band bereits seit fünf Jahren auf Tourneen auf seine Arbeit aufmerksam macht. Nach der Pause erscheinen zwei Bandmitglieder im Rapper-Outfit und singen die Hauptstimme in einem - oh Wunder - Rap. Und danach geht es weiter. Und weiter. Und weiter.

Am Anfang fasziniert mich, dass alle zu hörenden Geräusche aus den Mündern der fünf Wise Guys kommen. Inklusive dem Schlagzeug, dass von ein bis zwei Bandmitgliedern über Handmikrofone imitiert wird – und das täuschend echt. Doch spätestens nach dem zehnten Lied beginnt mich das zu nerven. Fast jedes Lied beginnt mit einem „duu-duu-duu“ der Bandmitglieder, das die Hauptstimme und das Schlagzeug untermalt. Und eigentlich sehr schnellen Songs fehlt aufgrund der fehlenden Instrumente dann „der letzte Kick“. Manche Songtexte scheinen auch etwas weit hergeholt: So zum Beispiel der Refrain „Er war der beste in Latein“. Und „Dän“ verkündet selbst: „Ja, wenn ihr jetzt den Sinn sucht, mehr ist da nicht.“

wise guys in concert

Am Ende des „offiziellen Teils“, sagt „Dän“, „ist der Rest Verhandlungssache“. Den großen Hit „Sommer“ hatte die A-capella-Band schon vorher verschossen, also mussten andere Songs für die ziemlich abgekartet wirkende Zugabe her. Das Publikum hat mit seinem lautstarken Jubel also erfolgreich verhandelt. Und - ganz ehrlich - nach der zweiten Zugabe habe ich mir gedacht „Kommt, jetzt ist langsam mal gut.“ Aber, einer ging noch - sehr zur Freude der richtigen Fans. Danach ging die Saalbeleuchtung wieder an und das Konzert war - diesmal wirklich - zu Ende.

Man muss A-Capella-Bands mögen, um Fan der Wise Guys zu sein. Die Band war gut drauf und schaffte es, das stehende Publikum mitzureißen. Doch für mich als Außenstehenden bleibt der „War ganz nett“-Eindruck. Insbesondere die oftmals ähnlich klingenden Songs bringen mir zu wenig Abwechslung. Vertane Zeit war der Konzertbesuch bei den Wise Guys aber auf keinen Fall. Ihr neues Album „Klassenfahrt“ ist in den Plattenläden bereits erhältlich. Ich werde es mir nicht kaufen, die begeisterten Fans sicher schon.

Dän: „Kauft unser neues Album – Wir haben große Pläne!“