Wir sagen:

Es gibt ja ganz verschiedene Bedeutungen von Session. Für die Musiker gibt es die Jamsession, für Tontechniker die Aufnahme-Session, für Wellenreiter die Surfsession, Sportler machen ihre Trainingssession, Netzwerk-Server verbinden sich mit ihren Clients in Sessions, wissenschaftliche Konferenzen sind in Sessionen aufgeteil, und in der Schweiz tagen die Nationalratskammern pro Jahr in vier Sessionen.

Wenn man aber in Köln das Wort Session liest, dann gibt es eigentlich nur eine mögliche Bedeutung: Karneval, die fünfte Jahreszeit, Fasteleer - wie man es auch nennt, alle meinen dasselbe. Und auch wenn die Session  schon vor mehr als drei Monaten begonnen hat (am 11.11. um 11:11 Uhr natürlich), die wirklichen Höhepunkte der Session stehen jetzt erst an: Am Donnerstag ist Weiberfastnacht, Altweiber oder - im kölschen Sinne - Wieverfastelovend, und damit geht es erst richtig los.

wort der woche - session | ausschnitt foto: rolf hahn - Blaue  Funken, Rosenmontagszug 2006 - quelle:  http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Blauefunken-rosenmontag-200.jpgDenn bis dahin findet der Karneval innen statt, in den Sälen und Festräumen. Ab 11:11 Uhr am Donnerstag feiert der echte Jeck aber auf der Straße. Auf den Alter Markt kommt man morgens nur bis gegen 10 Uhr, danach ist es da zu voll. Der traditionelle Countdown zu 11:11 Uhr läutet dann den Straßenkarneval ein - und damit liegt in Köln nahezu der komplette Alltag brach: Die Geschäfte in den Fußgängerzonen sind mit Brettern verrammelt, bis Montag (teils auch bis Mittwoch) erreicht man in Firmen oder Behörden telefonisch kaum jemanden, und Teile der Bevölkerung verabschieden sich für eine Woche von Nachbarn und Familie. Köln im alljährlichen Ausnahmezustand.

Ach so, das diesjährige Sessionsmotto lautet: In Kölle gebützt. Für alle, die des Kölschen nicht mächtig sind (laut Wikipedia übrigens die einzig akzeptierte Sprache im Kölner Karneval): In Köln geküsst. Wobei küssen  für den Prozess des Bützens eigentlich zu weit geht: kleine Küsschen, ohne Zunge, ohne Hintergedanken, dafür aber großzügig auf Wangen verteilt. Das Motto soll übrigens laut Zugleiter Christoph Kuckelkorn die urkölsche Tradition und das ansteckende Lebensgefühl beschreiben und das friedliche Miteinander-Feiern deutlich machen. Das Mottolied von Marie-Luise Nikuta - ihr dreißigstes! - ist übrigens schon seit dem 6. November 2009 erhältlich - also noch vor dem offiziellen Sessionsstart.

Die anderen Sprachen sagen:

Leider nicht sehr viel - die Karnevalssession ist meist nicht bekannt, und Session an sich ist, nun ja, in verschiedenen Sprachen doch recht ähnlich …

Englisch: session

Französisch: la session

Schwedisch: session

Das Lexikon sagt:

Der Begriff Session bezeichnet

  • (von Lat.: sessio v. sedere sitzen) eine sich über einen längeren Zeitraum erstreckende Tagungs- oder Sitzungsperiode […]
  • im Brauchtum von Karneval, Fastnacht und Fasching die Festperiode vom 11. November bis zum Aschermittwoch des folgenden Jahres. […]
  • In der Musik ein zwangloses Zusammenspiel von Künstlern, die nicht üblicherweise zusammen musizieren, […]
  • In der Wissenschaft fachbezogene Sitzungs- oder Arbeitsoperioden […]
  • In der Datenverarbeitung eine logische Verbindung zwischen zwei adressierbaren Einheiten in einem Leitungsnetz, um Daten auszutauschen.