kerstin im wunderland | foto ausschnitt: ArgonR - U-Bahn Rolltreppe, CC-Lizenz (BY 2.0) http://creativecommons.org/licenses/by/2.0/de/deed.de, quelle: www.piqs.deEs ist Freitag. Nicht Freitag der Dreizehnte.Ich habe auch keine komischen Pilze gegessen, die mich schrumpfen oder wachsen oder halluzinieren lassen - lediglich eine Banane zum Frühstück, nicht unreif, nicht überreif. Trotzdem - in der Schule merke ich, wie mir schlecht wird. Kein gutes Zeichen.

Durch die Biologie-Stunde quäle ich mich noch, verschwinde zwischendurch draußen, um frische Luft zu schnappen, denn laut meiner Bio-Lehrerin sollte es mir dann besser gehen. Tut es nicht.

Nach der zweiten Stunde verdrücke ich mich nach Hause. Oder eher: Erst mal ab zum Appelhofplatz. Ich gehe die Treppe nach oben, um das Gleis zu wechseln, da sehe ich eine Szene, die mich gleich zwei Mal hinschauen lässt, so grotesk ist sie in ihrer eigenen Art und Weise.

In dem Durchgang zwischen den Gleisen liegt ein Penner, eingehüllt in eine Decke, mit der obligatorischen Plastiktüte neben sich, und schläft. Kein Wunder, es ist nicht mal halb zehn, nicht mal Knoppers-Zeit. Und an einer Bahnhaltestelle in Köln ist es auch nicht so verwunderlich einen schlafenden Obdachlosen zu sehen.

Aber das, was sich zwei Meter hinter ihm abspielt, lässt mich stehen bleiben und starren. Da sind zwei Models; gekleidet, als würden sie gleich ins Night Life starten, mit neonfarbenen, grellen Bob-Perücken, die für die Kamera Luftsprünge machen. Von dort, wo ich stehe, sieht es aus, als würden sie über den schlafenden Penner springen. Der ist aber mit Sicherheit kein Model.

kerstin im wunderland | foto: ArgonR - U-Bahn Rolltreppe, CC-Lizenz (BY 2.0) http://creativecommons.org/licenses/by/2.0/de/deed.de, quelle: www.piqs.deIch möchte nicht auffallen, (außerdem macht sich mein Magen wieder bemerkbar) und gehe weiter, die Rolltreppe hinunter, um auf die Bahn zu warten, die mich endlich nach Hause bringen soll.

Während ich dort warte und der arbeitenden Bevölkerung zusehe, wie sie sich auf zur Arbeit macht, fällt mir ein Mann auf, der im Anzug und mit Aktentasche auf die haltende Bahn zu läuft. Er trägt keine Schuhe.  Auch ist nirgends ein Paar Schuhe zu entdecken. Seine Fußsohlen sind schwarz.

Ich steige in die Bahn, setze mich. Muss das alles erst einmal verdauen. Mir gegenüber sitzt ein Mann, der auf einem eBook liest. Zu gerne würde ich ihn fragen, wie das so ist, ohne Seiten, ohne Raschel, dafür mit Akku - aber heute ist schon so viel geschehen, mehr verträgt mein Magen einfach nicht.